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Risiken und Nebenwirkungen

Risiken und Nebenwirkungen von mamamonster

Ein Dienstag Abend, schon 21 Uhr. Das Telefon klingelt. Ein junger Mann will Emmi sprechen. Kurzer Schreckmoment: Wer erwartet denn sowas? Emmi ist 14 Jahre, ein Mädchen mit Trisomie 21 und schon längst im Tiefschlaf. Das kann ich jetzt natürlich unmöglich sagen. „Emmi ist, äh, nicht zu sprechen“, improvisiere ich. Ob ich etwas ausrichten dürfe… Ich darf. Emmi habe sich bei einem Besuch des Vereins „Rheinflanke“ in ihrer Schule zum Jugendprojekt „Willkommenskultur für Flüchtlinge“ angemeldet und diese Telefonnummer angegeben (woher zum Teufel weiss sie unsere Festnetznummer auswendig?). Er wolle nur nachfragen, ob sie denn am Freitag nun wirklich komme.

Ich verspreche dass sie sich meldet und lege auf. Und lache. Emmi ist ein patentes Mädchen, keine Frage. Aber Menschen, die eine andere Hautfarbe haben oder erkennbar aus anderen Kulturkreisen kommen, begegnet sie mit allergrößter Skepsis. Andererseits ist sie Nachrichtenjunkie. Kann stets aktuell die Krisenherde dieser Welt aufzählen (angefangen vom Tsunami in Japan über Syrien, „Gazastreifen“, Ukraine, Ebola in Westafrika, Badarbunga bis zum Irak). Und wer beim Tatort-Vorspann freiwillig den Raum verlässt und ins Bett geht weil er keine Toten sehen mag, den hat vermutlich auch der Tagesschau-Bericht über Flüchtlinge im Irak nicht unberührt gelassen.

Am nächsten Tag diskutieren wir. Ich rede davon, dass das Flüchtlingsprojekt richtig viel Arbeit wird: Zwei Wochenenden, eine ganze Ferienwoche, jeden Freitag Nachmittag, und das bis Dezember. Ich sage, dass sie da nur fremde Jugendliche treffen wird. Keine Chance. „Ich interessiere Flüchtlinge“, sagt Emmi bestimmt, „ich will helfen“.

Der Freitag kommt. Ein Raum im Kulturzentrum, ein Dutzend Jugendliche, außer Emmi niemand mit Behinderung. Ich höre sie durchatmen. Dann schiebt sie mit dem Zeigefinger ihre Brille hoch, geht zum Tisch und setzt sich zwischen zwei Jungs mit schwarzer Hautfarbe. Ist das jetzt Inklusion? Es ist jedenfalls der Moment, in dem sich eine Mutter diskret zurück ziehen sollte.

5 Kommentare


anne - 21.09.2014

Spannend!

Es würde mich interessieren, wie diese Begegnung weitergeht.

thomas - 22.09.2014

Joh! Das ist Inklusion! Viel Erfolg beim diskreten Zurückziehen ... wünscht ein Vater!

Birgit Baier - 23.09.2014

Unglaublich!

 

Emmi ist so mutig, unerschrocken, offen für andere Kulturen - einfach "unverbogen" herzlich und gleichzeitig so schlau!

 

Warum sind nicht alle Kinder so? Was hindert sie daran? Die sogenannten Leit-/Vorbilder, die ihnen ein "in Grenzen denkendes Leben vorleben..." - damit sind nicht nur die Eltern gemeint, sondern alle Mitmenschen, nach denen sich unsere Kinder richten...Kinder imitieren ( evolutionär zum Überleben wichtig gewesen ) also passt auf, was ihr ihnen "vorlebt"!!!

 

imitieren:

gleichtun, kopieren, nachahmen, nachbilden, zum Vorbild nehmen nachmachen; (abwertend) nachäffen; (bildungssprachlich abwertend) klischieren

 

Auch wenn hier das "Nachäffen" als abwertend eingestuft wurde:

 

geht mit Euren Kids einmal wieder in den Zoo/Tierpark oder auch Streichelzoo (das ganze Jahr möglich) - es tut ihnen so gut - die Tiere sind Gott sein Dank noch ganz natürlich und "meistens" noch nicht "verbogen" und eine gute Grundlage für "Imitatonen" aller Art!!! ;-)))

C.Müller - 25.09.2014

Emmi ist klasse!Sie hat mir vom Projekt erzählt...

anke - 29.10.2014

Hallo ich bin Studentin an der Uni Kassel und schreibe zur Zeit meine Masterarbeit über Möglichkeiten und Grenzen von Schulsozialarbeit an inklusiven Schulen.Ich finde Ihren Beitrag zur Inklusion sehr aussgekräftig und bin auch neugierig, wie die Begegnung wohl weiter gegangen ist.

Klasse!