Botschafter

Mainz, 31.08.2007

Das Problem von Recht und Gerechtigkeit gehört mitten hinein in die Herausforderung der Frage "In welcher Gesellschaft wollen wir leben?" Diese Frage spitzt sich ganz besonders zu im Blick auf die Menschen, die wegen ihrer besonders starken Behinderungen nicht am Erwerbsleben teilnehmen können und darüber hinaus besonders betreuungs- und pflegebedürftig sind. Dies fängt schon in der Schule und früher an. Ich meine aus christlicher Überzeugung: Es gibt ein "Recht des Schwächeren". Die Formulierung "Recht des Schwächeren" könnte allerdings auch zu einem problematischen Bedeutungsgehalt, mindestens in Anwendung auf behinderte Menschen, führen. Der Begriff des "Schwächeren" muss kritisch reflektiert werden. Auch das Wort "Recht" muss erläutert werden. Es kommt nämlich vor allem auf das zugrunde liegende Menschenbild mit seinen anthropologischen Voraussetzungen an. Deshalb hebe ich lieber auf die "heilende Gemeinschaft mit behinderten Menschen" ab. So bin ich dankbar, dass es ganz unterschiedliche Initiativen und Wege gibt, die das Miteinander von behinderten und nichtbehinderten Menschen fördern, gerade auch schon vom frühen Lebensalter an. Ein herzlicher Dank an alle Eltern, Lehrer und Unterstützer für dieses wichtige Projekt!

Karl Kardinal Lehmann

Karl Kardinal Lehmann

Bischof von Mainz