All Inclusive in NRW?

15. Januar 2009

Von einem inklusiven Schulsystem ist NRW noch meilenweit entfernt - das war Konsens bei der Veranstaltung "All Inclusive", zu der die NRW-Grünen am 15. Januar nach Düsseldorf in den Landtag geladen hatten. Aber im politischen Alltag sind die Forderungen der UN-Konvention zumindest angekommen. So ließen sich die Grünen von Experten unterschiedlicher Professionen über Ist- und Soll-Zustand der Bildungsperspektiven von Kindern mit Behinderung in unserem Bundesland aufklären - und konkrete Forderungen mit auf den Weg geben.

Selbst Kenner des Themas konnten zum Teil Neues erfahren. Zum Beispiel, dass das derzeitige Schulgesetz noch abgründiger ist als gedacht. So berichtete der Jurist Horst Frehe in seinem Beitrag, dass nach derzeitiger Rechtslage das Sorgerecht von Eltern behinderter Kinder eingeschränkt werden kann, wenn diese einer Unterbringung ihrer Kinder in einem Förderinternat nicht zustimmen - die Schulaufsicht dieses aber für den geeigneten Förderort hält.
Interessant auch der Blick zu unseren italienischen Nachbarn. In Rosa Anna Ferdiggs Vortrag wurde deutlich, wie sehr die konsequente Integration der behinderten Kinder „Sehgewohnheiten" verändert: Das Kind im Wachkoma wurde von der Leiterin der Dienststelle für Unterstützung und Beratung im Schulamt Bozen ebenso beiläufig und selbstverständlich als Teil der Klassengemeinschaft genannt, wie das Kind mit Down-Syndrom. Sehr verwundert zeigte sich Frau Ferdigg auch über die hierzulande üblichen „Schulempfehlungen", die die Lehrer der Grundschulen aussprechen. Sie habe Jahre gebraucht, um zu begreifen, dass sich in Deutschland die Empfehlung einer Schule und eines Restaurants grundsätzlich unterscheide: Könne man noch selbst entscheiden, wo man letztendlich speise, gelte das mitnichten für die Frage, wo - und was - ein Kind in Zukunft lernen soll.
Für den mittendrin e.V. berichtete Tina Sander den Anwesenden von den Zumutungen, denen Eltern behinderter Kinder derzeit ausgesetzt sind, wenn sie sich für ihr Kind die schulische Integration wünschen. Und dass die Eltern nicht mehr bereit sind, mit den Verantwortlichen über Für und Wider der Integration zu diskutieren. Behinderte Kinder haben Rechte. Das Recht auf inklusive Bildung gehört dazu. Und das fordern die Eltern ab sofort ein, ohne Wenn und Aber!

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