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Sehr geehrter Herr Rüttgers, geben Sie unseren Kindern das Recht auf Integration!

31. Mai 2008

Zum „Tag der Begegnung 2008" des Landschaftsverbandes Rheinland am 31. Mai 2008 in Xanten fordert der Elternverein mittendrin die Landesregierung auf, sich endlich vorbehaltlos zur Integration behinderter Kinder in die allgemeinen Schulen zu bekennen. An Rhein und Ruhr gehen zur Zeit rund 108.000 Kinder und damit an die 90 Prozent aller behinderten Kinder in Sonderschulen. Jedes Jahr werden Eltern von den Schulämtern gezwungen, ihre behinderten Kinder gegen ihren Willen in Sonderschulen zu geben. Ein Recht auf die Wahl einer Schule existiert für behinderte Kinder und deren Eltern de facto nicht. Durch das Bürokratie-Abbau-Gesetz können Eltern in Nordrhein-Westfalen gegen Sonderschulzuweisungen inzwischen nicht einmal mehr Widerspruch einlegen. Wer die Entscheidung des Schulamtes über die Zukunft des eigenen Kindes anfechten will, muss vor Gericht ziehen!

Dabei ist die internationale Rechtslage eindeutig: In Artikel 24 der UN-Konvention über die Rechte behinderter Menschen verpflichtet sich als Unterzeichner auch Deutschland, auf allen Ebene ein inklusives (alle Menschen einbeziehendes) Bildungssystem bereit zu stellen.

Doch was tut die Schulpolitik in Nordrhein-Westfalen?
Statt entschlossen die Integration der behinderten Kinder in die wohnortnahen Schulen anzupacken, betreibt das Schulministerium Augenwischerei:

  • Man führt so genannte Kompetenzzentren der sonderpädagogischen Förderung ein, ohne ihnen den eindeutigen Auftrag zur Integration ihrer SchülerInnen zu erteilen,
  • Man schmückt sich damit, mehr Sonderpädagogen für den Gemeinsamen Unterricht einzustellen - und streicht hinterrücks an den Lehrerstellen der wenigen Integrationsschulen herum.

Das Ergebnis: Schwerer behinderte Kinder werden kontinuierlich aus den Integrationsschulen verdrängt. Die Integrationsplätze mit Kindern gefüllt, die nur einen geringen zusätzlichen Förderbedarf haben oder einfach ein bisschen schwierig sind.
Die Zahl der geistig behinderten Kinder im Gemeinsamen Unterricht der Grundschulen in NRW ist von 1080 im Jahre 2004 auf gerade einmal noch 276 im Jahre 2007 gesunken.

Das Verschwinden der geistig behinderten Kinder aus den GU-Schulen ist eine beschämende Entwicklung, die die politischen Bekenntnisse der Landesregierung zur Integration zunehmend unglaubwürdig macht.

Die Initiative „mittendrin e.V." fordert deshalb die Landesregierung Nordrhein-Westfalen auf:

  • Geben Sie behinderten Kindern das Recht auf schulische Integration!
  • Stoppen Sie den weiteren Ausbau des Sonderschulsystems!
  • Kompetenzzentren der sonderpädagogischen Förderung dürfen keinen eigenen Schulbetrieb unterhalten! Sie sollen ihre SchülerInnen in die Integration begleiten!

Wenn behinderte Menschen in der Mitte der Gesellschaft leben sollen, dann muss damit in der Schule angefangen werden. Alles andere sind Sonntagsreden.

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