Nachteilsausgleiche

Schülerinnen und Schüler mit Behinderung sollen in der Schule die gleichen Chancen haben. Dafür brauchen sie Unterstützung. Nachteile, die durch die Behinderung entstehen, sollen ausgeglichen werden.

Auf diese sogenannten „Nachteilsausgleiche“ haben die betroffenen Schüler:innen ein Recht. Sie sollen dafür sorgen, dass sie beim Lernen im Unterricht, bei den Hausaufgaben und bei Prüfungen (Klassenarbeiten, Tests, Lernzielkontrollen) nicht wegen der Behinderung weniger leisten können und schlechtere Noten bekommen. 


Ausgestaltung von Nachteilsausgleichen

Als Nachteilsausgleiche können beispielsweise  die äußeren Rahmenbedingungen einer Leistungsüberprüfung oder  die Unterrichtsorganisation durch zeitliche, technische, personelle oder räumliche Anpassungen verändert werden. In Einzelfällen können auch Aufgaben verändert werden.  

Dazu zählen etwa:

  • die Verlängerung von Vorbereitungs- oder Bearbeitungszeiten, 
     
  • Hilfen zur zeitlichen Strukturierung 
     
  • die Verwendung von speziellen Unterrichtsmaterialien (auch in elektronischer Form), 
     
  • das Ersetzen von mündlichen durch schriftliche Prüfungen (oder umgekehrt), 
     
  • den Einsatz von technischen Hilfsmitteln wie Tablets, Computern oder Talkern,
     
  • die Möglichkeit, die Leistungsüberprüfung in einem separaten Raum unter Aufsicht durchzuführen,
     
  • Gewährung von zusätzlichen oder verlängerten Ruhepausen.


Mehr konkrete Beispiele zur Umsetzung finden Sie unter diesem Link: Wir für Pänz e.V. und bei den „Weiterführenden Informationen/Links“ am Ende dieses Artikels.


Praxistipp zur Beantragung von Nachteilsausgleichen

  • Voraussetzung für die erstmalige Gewährung eines Nachteilsausgleichs ist u.a. eine medizinische Diagnose der Behinderung bzw. Erkrankung, ein ärztliches Attest, ein Feststellungsbescheid über das Vorliegen einer (Schwer-)Behinderung oder die Feststellung des sonderpädagogischen Unterstützungsbedarfs durch die Schulaufsicht. Reichen Sie diese Nachweise mit der Antragstellung ein, sofern sie der Schule noch nicht vorliegen.
     
  • Die Attestpflicht gilt nicht für Nachteilsausgleiche im Zusammenhang mit einer von den Lehrkräften festzustellenden Lese-Rechtschreibschwäche (LRS), LRS-Erlass, Link unter „Weiterführende Informationen/Links“ am Ende dieses Artikels.
     
  • Die Nachteilsausgleiche müssen von Schuljahr zu Schuljahr neu beantragt und von der Schulleitung genehmigt werden. 
     
  • Den Antrag können Eltern und Lehrer:innen bei der Schulleitung stellen. 
     
  • Unserer Erfahrung nach ist es wichtig, dass Sie als Eltern oder Schüler:innen sich selbst darum kümmern. Erfahrungsgemäß sind viele Lehrer:innen über das Recht auf Nachteilsausgleiche nicht gut informiert.
     
  • Sprechen Sie zu Schuljahresbeginn die Lehrkräfte bzw. zuständigen Koordinator:innen darauf an und vereinbaren ein Beratungsgespräch.
     
  • Nachteilsausgleiche können formlos, sollten aber besser schriftlich beantragt werden, damit Sie Nachweise darüber haben und ggf. gegen eine Ablehnung vorgehen können (z.B. Einschaltung der Schulaufsicht).
     
  • Die Nachteilsausgleiche müssen schriftlich festgehalten und in die Schüler:innenakte aufgenommen werden, das ist besonders wichtig für die Weitergewährung bei Übergängen in die Sekundarstufe II und für die Gewährung bei Zentralen Prüfungen (z.B. ZAP 10, Abitur).
     
  • Ausdrücklich festlegen, dass die Schule dafür verantwortlich ist, die Information über die konkreten Nachteilsausgleiche an alle Lehrer:innen, besonders bei Lehrer:innenwechseln und zum neuen Halbjahr, weiterzugeben (über Klassenlehrer:innen, Klassenkonferenz, Stufenkonferenz).
     
  • Nicht alle Schulen verfügen über ein größeres Erfahrungswissen im Hinblick auf die Vielzahl möglicher Nachteilsausgleiche in Abhängigkeit von den individuellen Beeinträchtigungen. Bei auftretenden Abstimmungsproblemen mit der Schule können Sie sich an die örtlich zuständigen Inklusionskoordinator:innen, Inklusionsfachberater:innen, Autismusfachberater:innen oder Ansprechpartner:innen der Schulaufsicht (Schulamt oder Bezirksregierung) wenden.


Geltungsbereich: 

Das Benachteiligungsverbot leitet sich aus Artikel 3 des Grundgesetzes, aus Paragraf 209 des Neunten Teils des Sozialgesetzbuches (SGB IX) und § 2 Abs. 5 des Schulgesetzes NRW ab (vergleichbare Regelungen existieren in den Schulgesetzen der Bundesländer). Der Nachteilsausgleich dient der Kompensation, der durch die Beeinträchtigung entstehenden Nachteile, und stellt keine Bevorzugung gegenüber Mitschülerinnen und Mitschülern dar. Als wesentlicher Bestandteil eines "barrierefreien Unterrichts während der gesamten Schullaufbahn" ist er in der Richtlinie der Kultusministerkonferenz (KMK) vom 20.10. 2011 aufgenommen und schließt auch die Berufsausbildung ein.


Kontakt: Wir beraten Sie gerne persönlich oder vereinbaren mit Ihnen einen Beratungstermin unter der Telefonnummer 0221 29 43 84 98 oder per Mail unter beratungmittendrin-koeln.de.

Zusätzlich können wir Ihnen auch unser Handout zu den Nachteilsausgleichen zur Verfügung stellen.

Weiterführende Informationen/Links:

Allgemein:
Lexikon der Inklusion 
Nachteilsausgleich Schüler
Handreichung Bezirksregierung Köln - Inklusion an Schulen


Arbeitshilfen für die jeweilige Schulform:
Schulministerium NRW Nachteilsausgleich


Dokumentationsbogen:
Förderschulen Dokumentationsbogen
Leitfaden Nachteilsausgleich


Abitur und Zentrale Abschlussprüfungen:
Nachteilsausgleich an Schulen


Autismus-Spektrum-Störung:
Empfehlungen zum NTA bei ASS
Inklusion Themenheft 2 
(S. 72/73 ff.)
Stellungnahme Nachteilsausleich


Lese-Rechtschreib-Schwäche und Legasthenie
LRS-Erlass NRW – Förderung von Schülerinnen und Schülern bei besonderen Schwierigkeiten im Erlernen des Lesens und Rechtschreibens (LRS) RdErl. d. Kultusministeriums v.19.07.1991: BASS NRW  
LRS Köln
Dokumentationsbogen NTA 

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  • Schule