Aktion: Schluss mit dem Zwangs-Elterntaxi!

Immer wieder erreichen uns Anfragen von Eltern, die keinen Schultransport für ihre behinderten Kinder bekommen und dadurch große Schwierigkeiten haben, ihren Alltag zu bewältigen.

Aktuell bekommen in Köln nur absolute Härtefälle den Transport ihrer behinderten Kinder zu Schulen des Gemeinsamen Lernens finanziert. Die meisten Eltern müssen ihre behinderten Kinder jahrelang täglich zur Schule bringen und abholen – weil die Schulen weit weg sind und die Stadt Köln nur in den wenigsten Fällen einen Schülertransport ins Gemeinsame Lernen bewilligt. Für viele Familien bedeutet dieser zusätzliche Aufwand eine sehr große Belastung.


Mitstreiter:innen gesucht!

Ihr kennt das Problem aus eigener Erfahrung oder fürchtet bald selbst davon betroffen zu sein? Dann meldet Euch bei uns. Jeder Einzelfall hilft uns, gegenüber der Stadt glaubhaft zu machen, wie dringlich das Problem ist.

Ihr habt Lust, das Thema mit uns zusammen anzugehen? Dann werdet Teil der „Aktionsgruppe: Schluss mit dem Zwangs-Elterntaxi“. Lasst uns gemeinsam überlegen, wie wir die Stadt Köln dazu bringen, diese Ungerechtigkeit zu beheben. 


Einladung zum ersten Treffen

Wann? Montag, 30. Januar, 19 Uhr 
Wo? mittendrin e.V., Luxemburger Str. 191, 50939 Köln 

Wir freuen uns auf Erfahrungsaustausch und wollen mit Euch Ideen entwickeln, wie wir Verwaltung und Öffentlichkeit auf die Problematik aufmerksam machen und die Stadt Köln zum Handeln bewegen können. Bitte meldet Euch zum Treffen an, damit wir besser planen können.

Zur Anmeldung


Meldet euch auf jeden Fall auch, wenn euch das Thema interessiert, ihr aber nicht zum Treffen kommen könnt. Gerne informieren wir Euch per Mail über unsere weiteren Aktivitäten. Ihr könnt jederzeit einsteigen. Schreibt an bergermittendrin-koeln.de

Inklusion schaffen wir! Macht mit! Gemeinsam können wir viel mehr erreichen!

Einladung zum ersten Treffen als PDF

Unsere Forderung:


Auch Schüler:innen mit Behinderung haben das Recht, möglichst selbstständig zur Schule zu kommen.

Wir fordern, dass die Stadt Köln als wichtigen Schritt zur Umsetzung von Inklusion allen Schüler:innen mit Behinderung einen wohnortnahen Schulplatz im Gemeinsamen Lernen anbietet, den sie selbstständig erreichen können. Ist das nicht möglich, muss ein Schulbusverkehr eingerichtet werden, mit dem auch diese Schüler:innen möglichst eigenständig zu ihrer Schule kommen.

Viele Eltern von Kindern mit Behinderung werden in Köln gezwungen, die ganze Schullaufbahn als Elterntaxi für ihr Kind bereit zu stehen, während alle anderen Eltern immer wieder dazu angehalten werden, ihre Kinder nicht zur Schule zu bringen. Betroffen sind Eltern von Kindern mit Autismus und den Förderschwerpunkten Geistige Entwicklung, Körperliche und motorische Entwicklung, Hören und Kommunikation und Sehen, da diese zum Teil nicht in der Lage sind, die oft sehr langen Schulwege alleine zu bewältigen.

Für den Antrag auf Schülertransport müssen Eltern aktuell minutiös nachweisen, an welchen Tagen sie wie lange arbeiten. Die Sachbearbeiter:innen der Stadt Köln entscheiden dann, ob oder an welchen Tagen es für die Eltern machbar ist, ihr Kind zu chauffieren. Dabei wird ein sehr hoher Einsatz der Eltern erwartet und keine Rücksicht auf die notwendige Betreuung von Geschwisterkindern oder auf die besonderen Lebensumstände dieser Familien genommen. Daher bekommen die wenigsten Eltern diese Unterstützung, was viele Eltern vor große Herausforderungen stellt, ihren Alltag zu meistern.

Es ist nicht zumutbar und zutiefst diskriminierend, dass Eltern von behinderten Kindern ihr Kind 10 Jahre lang in die Schule bringen und abholen müssen. Selbst bei überschaubaren Schulwegen von 25 min dauert der Fahrdienst jeden Tag mindestens 1,5 Stunden (4 x 25 min). Das sind 7,5 Stunden jede Woche, die den Eltern im Vergleich zu anderen Eltern für ihre Kinder, ihre Familien, Arbeit und Leben fehlen. Da das Schulsystem in Köln nicht inklusiv ist und nur wenige weiterführende Schulen in Köln Kinder mit Behinderung aufnehmen, müssen von vielen Eltern sehr viel weitere Strecken zurückgelegt werden.

Viele Eltern sind gezwungen, ihre Arbeitszeit zu reduzieren oder die Arbeit ganz aufzugeben, um diese logistische Aufgabe zu bewältigen. Das ist diskriminierend und nicht zumutbar, zumal diese Eltern durch die Behinderung ihrer Kinder sowieso schon übermäßig belastet sind – und zwar nicht nur durch den erhöhten Pflegeaufwand, sondern ganz besonders durch die bürokratischen Hürden und mangelnde Unterstützung, wofür der fehlende Schülertransport im Gemeinsamen Lernen nur ein Beispiel ist.

Viele Eltern, die ihre Kinder lieber inklusiv beschulen lassen würden, entscheiden sich für die Förderschule, weil das Gesamtpaket dort bequemer ist. Der Schülertransport ist organisiert, Therapien finden vor Ort statt, … Den Mehraufwand, den die Beschulung im Gemeinsamen Lernen bedeutet, können viele Familien nicht leisten.

Dieser Zustand ist nicht tragbar. Denn laut Schulgesetz MUSS eine inklusive Beschulung immer der Förderschule vorgezogen werden. Demzufolge müssten die Bedingungen für die Beschulung im Gemeinsamen Lernen und in den Förderschulen mindestens gleich gut sein.

Auch unter dem Gesichtspunkt „Recht auf Teilhabe“ kann man Jugendliche mit Behinderung nicht zumuten, die ganze Schulzeit auf ihren Eltern angewiesen zu sein, während ihre Altersgenossen selbständig mit dem öffentlichen Nahverkehr oder dem Fahrrad zur Schule kommen. Der Schulweg ist ein Teil des sozialen Lebens, von dem die Schüler:innen mit Behinderung durch das Zwangselterntaxi ausgeschlossen werden.

Daher fordern wir die Einrichtung eines Schulbusverkehrs zu den Schulen des Gemeinsamen Lernens. 

mittendrin e.V.
Inklusion schaffen wir!